Zwischen Meer und Sternen liegt der Raum für dein Leben

Bereits 600 vor Christus landeten die Griechen in der Calanques – der zerklüfteten Felsenlandschaft vor den Toren Marseilles. Die größte Felsbucht der Provence wurde der Göttin Lacydon geweiht und zum Hafen ausgebaut – der Vieux-Port entstand.

Nie werde ich vergessen, wie ich zum ersten Mal nach Marseille kam. Mein kleines Kreuzfahrtschiff legte direkt am MuCEM an, dem Museum der Zivilisationen Europas. Allein für diese Ausstellung im alten Fort Saint-Jean lohnt sich schon ein Besuch der Stadt. Doch ich wollte mehr von der Stadt sehen und spazierte zunächst einmal über den Quai du Port am Alten Hafen entlang. Dutzende kleiner Jollen schaukelten auf dem leicht bewegten Wasser. Ich ließ das Hôtel de Ville zu meiner Linken und schlenderte über den Fischmarkt, um zu frühstücken. 

Hier – im Herzen des Hafens – mündet die berühmte Canebière. Marseilles historischer Boulevard wurde 1666 gebaut, als Ludwig der XIV die Stadt vergrößern wollte. Zuvor floss hier ein Wasserlauf, an dessen Ufern Hanf für die Herstellung von Seilen gepflanzt wurde – daran erinnert heute nur noch der Name der Prachtstraße. Die Canebière hilft bei der Orientierung zwischen den Stadtvierteln: Im Westen liegt das moderne Einkaufszentrum Centre Bourse, im Süden das Bankenviertel und im Norden das arabische Viertel Belsunce.

Zurück an der Hafenkante grüßt der berühmte Pavillon mit Spiegeldach von Norman Foster. Weiter geht es zur Oper und auf der anderen Seite des Hafenbeckens in Richtung Kathdedrale. Wer mag, stattet unterwegs dem Seifenmuseum einen kleinen Besuch ab. Im 19. Jahrhundert gab es etwa 90 Seifenfabriken in Marseille! Oder man studiert schon einmal die Speisekarten der Lokale am Quai de Rive Neuve. Hier kommen Liebhaber der berühmten Fischsuppe Bouillabaisse auf ihre Kosten. 

La Bonne Mère

Die Kathedrale Notre Dame de la Garde auf der anderen Seite des Hafenbeckens ist ein Must-See, zumindest für alle Kreuzfahrer. „La Bonne Mère“, die gute Mutter, wacht auf einem 161 Meter hohen Hügel über die provenzalische Hafenstadt. Auf dem Vorplatz der Basilika wartet ein wundervoller Panoramablick über die Stadt und auf die Festung Château d’If. Das Innere der Wallfahrtskapelle beeindruckt auch Julie in „Zwischen Meer und Sternen“:

Julie ließ den Blick durch das prächtige Gewölbe schweifen. Die rot-weiß gestreiften Säulen trugen reich mit Gold verzierte Kuppeln, darunter schwebten hölzerne Modell-Segelschiffe unterschiedlicher Größen durch den Raum. Auch an den Wänden einer Seitennische fuhren diverse Schiffe dicht an dicht über dunkle Gemälde – viele befanden sich in schwerer See. Darüber hingen zwei Rettungsringe. Die Botschaft war eindeutig: Seefahrer sind auf die Gnade Gottes angewiesen. 

aus: Zwischen Meer und Sternen, erhältlich bei Amazon

Quartier du Panier

Unzählige Fotomotive und kreative Kunst finden sich im ältesten Viertel von Marseille – dem Quartier du Panier. Wer Street Art mag, könnte aber auch der Kneipenmeile Cours Julien einen Besuch abstatten: Von der schmalen Seite des Alten Hafens spaziert man einfach durch die moderne Fußgängerzone bis zur Cour Lieutaud. Hier beginnt mit einer farbigen Treppe bereits das Street Art-Spektakel – Graffitis und murals geben diesem Teil von Marseille seine ganz eigene Farbe.

Geheimtipp: Le Vallon des Auffes

Der alte Fischerhafen im Stadtteil Endoume erstreckt sich zu beiden Seiten des Viadukts Corniche. Der Name stammt von einer Art Graspflanze, die zur Herstellung von Seilen und Fischernetzen verwendet wurde. Hier gibt es einige sehr gute Restaurants und unterhalb einer großen Bronzestatue kann man im Meer baden. Für diese kleine Auszeit von der Innenstadt steigt man einfach an der Metrostation Vieux-Port in die Linie 83 in Richtung Rond Point du Prado. Nach zwölf Minuten erreicht man bereits die Haltestele Vallon des Auffes. Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Erkunden von Marseille!